Logensiegel

Das Siegel deutet den Namen unserer Loge „Wilhelm zur Unsterblichkeit“, gestiftet 1894.

 

Im Namen Wilhelms I., des 6 Jahre vor der Stiftung verstorbenen Kaisers, ihres von den Freimaurern in Deutschland hochgeschätzten Protektors, widmen wir unsere Arbeit der Unsterblichkeit, einer besonderen Art der Nachhaltigkeit. Was wir darunter verstehen, erläutern wir weiter unten.

Das Siegel unserer Loge wird dominiert von dem Bild der Siegesgöttin Nike (griechisch) bzw. Victoria (römisch). Ihr Attribut ist der Lorbeerkranz. Sie versinnbildlicht das Leben als einen Kampf, ganz im Sinne des Aufklärers Immanuel Kant, der von der „Höllenfahrt des Selbsterkenntnisses" (orig. Kant) auf dem Weg zur [eigenen] Vergötterung spricht[1]. Johannes der Täufer, der „Schutzpatron“ der Johannis-Logen – und nicht zufällig auch der Steinmetzen(!), von denen wir unsere Existenz herleiten – und historischer Wegbereiter Jesu Christi, spricht von „metanoia“, und meint damit radikales Umdenken. Wir verstehen darunter eine zu wandelnde Lebenshaltung, die wir als „die Veredelung des Menschen“ bezeichnen (d. Verf.). Das Bemühen um Selbsterkenntnis ist dem Kampf gegen das eigene Ego vergleichbar, den der Islam mit dem eigentlichen „Djihad“ meint – und von aufgeklärten Moslems auch so verstanden wird. Wem sich die Chance zur Selbsterkenntnis bietet, der hat die Pflicht, sie zu ergreifen und über die Loge hinaus Friede, Freude und Einigkeit um sich herum zu verbreiten.

Selbsterkentnis ist aber erst der Anfang der Arbeit. Lippenbekenntnisse reichen nicht aus. Eigene harte Arbeit ist dazu erforderlich und auch mal der Verzicht auf Ruhe und Vergnügen, wenn es der eigenen Entwicklung und der der Gesellschaft dient – wenn sie der inneren Gesellschaft der Brüder dient, dient sie auch dem Land und der ganzen Welt. Dem, der aus diesem Kampf gegen seine inneren und äußeren Feinde als Sieger hervor geht, winkt der Lorbeerkranz, das Sinnbild für Ruhm und Unsterblichkeit, ähnlich dem Phönix, der in unserem Siegel auf der Hand der Göttin des Sieges sitzt, nachdem er im Feuer (des Kampfes) verbrennt, aber aus seiner Asche neu geboren wird. Der Phönix stirbt, damit er lebe. Auf uns bezogen bedeutet das Symbol, dass wir uns selbst wandeln sollen (in der Höllenfahrt der Selbsterkenntnis und der radikalen Metanoia), befreien aus den Beschränkungen durch das Irdische, so dass unser Geist sich daraus unsterblich erheben kann. Auf den Orden bezogen bedeutet dies, dass wir ihn als dynamisches Gebilde auffassen, dass von Zeit zu Zeit seine Gestalt ändern muss, um bestehen zu können. Die Freimaurerei war immer, und sie wird bestehen, bis alle guten Taten getan sein werden (Lessing).

Rechts unten im Siegel ist das Vereinigungsband eingefügt, das die ungewöhnlichen Umrisse eines Freimaurerschurzes zeigt. Das Band selbst symbolisiert die schon erwähnte Bruderkette, die Lemniskate darin an ihrem oberen Rand – die „liegende 8“ – symbolisiert die Liebe zueinander, die Steigerung der Freundschaft, sowie die Unendlichkeit, die untrennbar mit der Unsterblichkeit verbunden ist.

An den Namen Wilhelms erinnern innerhalb des Bandes zwei ineinander zu einem „W“ verschränkte rechte Winkel. Die beiden Enden des Bandes verbindet der darunter sichtbare dritte rechte Winkel als Symbol dafür, dass soziale Gerechtigkeit und persönliche Rechtschaffenheit als unabdingbare Forderungen an die Menschen die Gesellschaft zusammenhalten.

 

[1] aus: Die Metaphysik der Sitten, Zweiter Teil, Metaphysische Anfangsgründe der Tugendlehre, I. Ethische Elemantarlehre, I. Theil, Von den Pflichten gegen sich selbst überhaupt, Zweites Hauptstück, Die Pflicht des Menschen gegen sich selbst, bloß als einem moralischen Wesen, 2. Abschnitt. Von dem ersten Gebot aller Pflichten gegen sich selbst, Kant-W Bd. 8, 577)

 

 

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